Das Arbeitsmaterial:

Viele Maschinen und Geräte werden heutzutage in Baumärkten kostengünstig vertrieben. Ich sage dazu "Finger weg". Wer in seiner Garage nur mal kurz nen Kotflügel lackieren will, der sollte das lieber gleich in einer Lackiererei erledigen lassen. Um eine einigermaßen vernünftige Lackierung zu zu zaubern, muß man schon etwas tiefer in die Tasche greifen. Das lohnt sich aber erst dann, wenn man öfters lackieren will. Zur Grundausstattung des Lackierers gehören: 1 Cuttermesser, ein Gummispachtel, ein Kunststoffspachtel, 1 Stielspachtel mit 5cm-Klinge, 1 Luftdüse für den Pressluftschlauch, eine Sicherheitsnadel und jederzeit einen sauberen Lappen in der Tasche.

Die Werkzeuge:

Unerlässlich sind Exenterschleifer und Schwingschleifer. Jede dieser Maschinen schlägt beim Neukauf mit rundweg 600,-DM zu Buche. Natürlich werden Schleifgeräte auch im Baumarkt vertrieben. Aber diese Maschinen haben längst nicht die erforderliche Leistung. Mit den Schleifmaschinen aus dem Baumarkt würde ich höchstens meine Fingernägel bearbeiten. Mein Tip: Öfters mal in einer Lackiererei nachfragen, ob nicht mal eine Schleifmaschine ausgemustert wird und günstig zu erstehen ist. In 90% der Fälle müssen nur die Lager gewechselt werden und die Maschine ist wieder Top. Eine andere Alternative wäre der Gebrauchtkauf von Privat (www.dhd.de / www.ebay.de). Wer einen Schwingschleifer der Fa. RUPES besitzt, dem kann schon gar nichts mehr passieren. Diese Dinger sind unverwüstlich. Nun kommen wir zu den Pistolen: Oftmals werden nach dem Spachteln noch Löcher im Spachtel entdeckt. Wer jetzt glaubt, die Dinger gehen doch mit dem Füller weg, der irrt. Der Füller dient lediglich zum abisolieren des Untergrundes und zum ausgleichen von minimalen Unenbenheiten und Schleifriefen (bis Körnung P150). Um Löcher im Spachtel zu beseitigen wird ein Spritzspachtel (Polyesterfüller) auf die Spachtelschicht aufgetragen. Hierfür wird eine Pistole mit sehr großer Düse (2,5) gebraucht. Da an diese Pistole keine großen Anforderungen gestellt werden, ist sie auch dementsprechend preisgünstig. Nach dem schleifen des Spritzspachtels kommt der Füller. Auch hiefür wird eine extra Pistole gebraucht. Die Düsengröße richtet sich jeweils nach den Herstellerangaben des Füllers. (Für den Füller ist eine Baumarktpistole ausreichend) Als letztes die Lackierpistolen: Der Fachmann begnügt sich mit drei Lackierpistolen. Eine für den Basislack, eine für den Klarlack und eine für den Acryl- Uni-Lack. Bei einem Pistolenpreis von 600,-DM beschränkt man sich auf nur eine Pistole. Ich würde mich dabei für die Sata Jet90 mit einer Düsengröße von 1,2 - 1,4 entscheiden. Ein Kompressor darf natürlich auch nicht fehlen. Wer aber nur einen Kompressor mit 20l Kessel besitzt, der kann gleich seinem Nachbarn bescheid sagen, dass er beim lackieren mit der Luftpumpe noch zusätzliche Luft einspeist.

Das Material:

Hier fange ich gleich wieder Beim Baumarkt an. Natürlich ist der Spachtel im Baumarkt wesentlich günstiger als im Fachgeschäft. Aber der Baumarktspachtel wird hart wie Granit und lässt sich kaum bearbeiten. Das Geld, was man in der Anschaffung vom Baumarktspachtel spart, das legt man nachher beim Schleifpapier wieder drauf und eine ebene Fläche bekommt man kaum hin. Jede Beule sollte nach Möglichkeit soweit es geht ausgebeult werden. Die Spachtelschicht darf nach dem Schleifen 4mm nicht überschreiten. Ich bevorzuge bei größeren Beulen das "Verzinnen". Das erfordert aber wiederum gesonderte Kenntnisse, viel Übung und Fingerspitzengefühl. Beim Spachtelkauf ist übrigens darauf zu achten, dass er für verzinkte und verzinnte Untergründe, sowie für Aluminium geeignet ist. Spachtelstellen werden grundsätzlich bis aufs Blech runtergeschliffen. Die einzige Ausnahme sind verzinkte Bleche. Hier wird nur mit der Körnung P80 der Altlack angeschliffen. Bevor gespachtelt wird, ist es ratsam, die Stelle mit einem in Siliconentferner getränkten Lappen zu reinigen. Das ist bei verzinnten Flächen unbedingt erforderlich. Spachtel wird niemals mit der Handfläche geschliffen. Wenn Handarbeit erforderlich wird, ist dazu ein handelsüblicher Schleifklotz zu nehmen. (Kostet nicht mehr als eine Schachtel Zigarretten) Spachtel wird in der Regel mit der Körnung P80 geschliffen. Ist die Fläche eben und glatt, wird mit P150 - P120 nachgeschliffen. Wenn die Fläche immer noch Unebenheiten und Löcher aufweist, ist der oben beschriebene Polyesterfüller aufzutragen. Nach dem Trocknen wird er mit P150 - P120 geschliffen. Nun muss die Fläche glatt genug sein. Sollten aber nach dem Spachteln nur noch kleine Löcher und Schleifriefen vorhanden sein, reicht es völlig aus, wenn anschließend ein "Nitrozellulosespachtel" aufgetragen wird. Den gibt es meistens in Tuben und er ist einkomponentig. Also kein Härter zugeben. Wichtig ist, dass der Nitrospachtel dünn aufgetragen wird. Er ist lediglich für die Feinarbeiten zuständig. Ca. 10 min. nach dem Auftragen kann er nass mit der Körnung P400 - P600 mit dem Schleifklotz gleichmäßig runtergeschliffen werden. Jetzt wird das Teil, was lackiert werden soll komplett mit der Körnung P600 (nass) durchgeschliffen, bis die gesamte Fläche nach dem trocknen matt ist. Spachtel besitzt eine kapillarische Oberfläche. D.h.: er saugt Wasser auf. Deshalb sollte er nicht stundenlang nass gehalten werden. Nach dem Durchschleifen wird alles gründlich gesäubert und mit Pressluft trockengeblasen. Die Spachtelstelle sollte zusätzlich noch mit einem leistungsstarken Fön erwärmt werden. (Aber nicht so, dass Blasen entstehen). Ich benutze in diesem Fall lieber Infrarotlicht. Wenn alles sauber und trocken ist, kann um die Beule herum großzügig abgeklebt werden. Lieber die Fläche etwas größer lassen, als später die Füllerkanten wegschleifen zu müssen. Die Gefahr ist groß, dass sie sich nach dem Lackieren wieder abzeichnen. Jetzt kann der 2K-Füller nach den Herstellerangaben aufgetragen werden. Lieber mehrere dünne Schichten, als eine oder zwei dicke, wo sich dann die Spachtelschicht markiert und Läufer entstehen. Wenn der Füller matt erscheint, ist es ratsam ein Kontrollschwarz aufzunebeln. Dafür eignet sich auch eine Spraydose Rallymatt oder Auspuffschwarz. Das wird aber wirklich nur einmal dünn aufgenebelt. Nicht deckend. Kontrollschwarz hat den Vorteil, dass sich beim Schleifen (P600 nass) die noch vorhandenen Löcher und Riefen abzeichnen. Ist das Kontrollschwarz abgeschliffen, dann ist auch der Füller glatt und eben. Einzelne kleinere Löcher müssen nicht unbedingt rausgeschliffen werden. Man kann sie auch nach dem trocknen des geschliffenen Füllers mit Nitrospachtel ausfüllen und anschließend mit dem Schleifklotz und P600 nass bearbeiten. Wichtig ist nach jeder Bearbeitung mit Wasser, dass die Stellen gründlich getrocknet werden. (Fön, Infrarotstrahler) Wenn alles trocken ist, nimmt man sich zwei saubere Putzlappen, von denen einer mit Siliconentferner getränkt wird. Wenn ich schreibe "getränkt", dann meine ich auch getränkt. Damit wird das komplette Schadensteil gründlich abgewaschen. Mit dem trockenen Lappen wird hinterhergewischt. Jetzt kann es an das Abkleben gehen... Wer viel Zeit hat, der stückelt sich alles aus Zeitungspapier zusammen. Wer Zeit sparen will, fährt zur nächstgelegenen Druckerei und fragt nach Abfall-Papierrollen. Die haben die immer in verschiedenen Größen da und wenn man eine Kleinigkeit für die Kaffeekasse da lässt, ist man auch beim nächsten mal wieder gerne gesehen. Ich hole mein Papier seit 10 Jahren von der Druckerei. Ich lade mein Auto voll, lege nen Zwanziger auf den Tisch und habe für die nächste Zeit genug Papier. Wenn alles fertig abgeklebt ist, dann kann es schon fast mit dem lackieren losgehen. Vorher wird aber noch der Fußboden und wenn möglich auch die unteren Teile der Wände (nicht die Decke, sonst tropft alles wieder auf den frischen Lack) ordentlich nass gemacht. Jetzt kann auch schon lackiert werden. Die verschiedenen Lacke sind Genau nach Herstellerangaben mit Härter und Verdünnung zu mischen. Der erste Gang wird dünn aufgetragen. Dieser Gang muss gut ablüften. Wenn man mit dem Finger auf den Randbereich (natürlich auf das Papier) drückt und loslässt, darf der Lack keine Fäden mehr ziehen. Danach folgt der zweite Gang. Der darf schon etwas kräftiger sein. Aber nicht zu viel... Wenn man nach wenigen Minuten feststellt, dass der Verlauf nicht so gut ist, dann kann man immer noch einen kleinen Gang rüberziehen. Wenn es auch etwas nach Apfelsine aussieht... Eine Apfelsinenhaut bekommt man nach dem trocknen mit ner vernünftigen Schleifpaste wieder weg. Bei Läufern kann es dagegen schon tragisch enden. Hinzufügen möchte ich noch, dass auf einen dunklen Untergrund keine helle Farbe lackiert wird. Wer also einen schwarzen Kotflügel gelb lackieren will, der sollte als erstes einen Gang weiß vorweg lackieren. Ansonsten kriegt man arge Probleme mit der Deckkraft und Farbtongenauigkeit. Nach dem trocknen der Lackierung findet man fast immer "Staubeinschlüsse" vor. Das bleibt selbst bei mir in der Lackierkabine nicht aus. Solche Fehlstellen werden mit dem Schleifklotz und 1200er Nassschleifpapier plangeschliffen. Durchschleifen ist unbedingt zu vermeiden. Nach dem Trockenwischen wird die Schleifstelle gründlich poliert. Ratsam ist es, wenn man sich ein sauberes Alete-Glas in die Tasche steckt und in der Nähe eine Lackiererei aufsucht. Das Glas lässt man sich mit vernünftiger Politur füllen. Jetzt kommt mir nicht mit Sprüchen wie "Ich habe doch noch die gute Politur von Sonax..." Ich bin der Meinung, dass das ganze Zeug Dreck ist... Wer jetzt eine Poliermaschine besitzt, der kann sich glücklich schätzen. Ansonsten ist fitness angesagt. Wenn die Polierarbeiten abgeschlossen sind, rubbeln sich viele Leute nen Wolf, um evtl. entstandene Schlieren vom Polieren zu entfernen. Ich trage einmal eine Flüssigwachskonservierung auf und poliere das mit der Hand runter. Klappt prima. Wenn ihr jetzt alles richtig gemacht habt, dann müsste sich die Lackierung so anfühlen, wie der Arsch von meiner "Alten". Wenn nicht, dann machen wir es eben nochmal Sollten diesbezüglich noch Fragen auftreten, bitte Mail an Thomas Neitz.

©2001 by
Thomas Neitz
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